BTW-37 Markus Böhlen

Liebe Freund*innen,

Anfang 2000 suchte das Land Baden-Württemberg BWL-VWL-Lehrer für berufliche Schulen. Ich kündigte meinen Job als Geschäftsleiter der Praktiker AG in NRW und zog mit meiner Familie nach Immenstaad an den Bodensee. Erstens wollte meine Frau wieder zurück an den See und zweitens wollte ich immer gerne Lehrer werden. An der Hugo-Eckener-Schule in Friedrichshafen bin ich seitdem Lehrer für Auszubildende im Einzelhandel und am Wirtschaftsgymnasium. 2003 gründete ich mit anderen aufrechten Baden-Württembergern den grünen Ortsverband in Immenstaad. Mit Erfolg, denn nur ein Jahr später zog ich mit zwei weiteren Grünen in den Gemeinderat der 6000-Einwohner-Gemeinde ein. Mit „meinem“ Slogan „Geht nicht, gibt’s nicht“ haben wir seit 13 Jahren stückweise unsere Kommune mit verändert.

Nur fairer Handel ist gerechter Handel

Fünf Jahre habe ich im Vertrieb gearbeitet und seit 15 Jahren bilde ich in der Schule Verkäufer* innen aus. Ich kenne die Menschen, die im Handel arbeiten und ich schätze sie sehr. Sie sind ehrlich und arbeiten hart für ihr Geld.

Deshalb braucht es Grünen-Politiker, die sich für die Interessen der über eine halbe Million Beschäftige im Einzelhandel von Baden-Württemberg einsetzen. Die Zerschlagung von Schlecker, das Übernahmedrama von Kaiser´s Tengelmann macht den Menschen heute Angst um ihre berufliche Zukunft. Ich hatte Glück, ich bin nach meinem Einstieg ins Berufsleben bei der Firma Bauspar von der Praktiker AG übernommen worden. Trotzdem kenne ich das Gefühl der Angst, denn auch bei uns stand eine Übernahme an. Für mich ist die Übernahme gut ausgegangen, andere haben jedoch ihren Job verloren: Deshalb brauchen wir Grünen-Politiker*innen, die die Ängste und Sorgen ihrer Bürger*innen verstehen, ihnen zuhören und ihnen eine Stimme geben, in ihrer Sprache sprechen.

Der Handel ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Deutschland. Zehn Prozent der Bruttowertschöpfung werden im Handel erzielt. Der Handel erzielt einen Umsatz von 500 Milliarden Euro im Jahr. Im Handel arbeiten sechs Millionen Menschen in Deutschland. Dieses Potential will ich für uns Grüne erschließen und vertreten.

Vor drei Jahren stürzte in Bangladesch eine Fabrik ein. Zu beklagen waren mehr als 1.000 Tote. Dieses Ereignis hat weder mich noch meine Schüler*innen losgelassen. Die Hugo-Eckener-Schule unterstützt seitdem das Projekt „WeltKlasse! Partnerschaft mit einer Schule in Bangladesch“, von Netz Bangladesch e. V. Unser Beitrag für eine gerechtere Welt.

Ich denke, Entwicklungshilfe kann nicht der einzige Ansatzpunkt sein, um die Lebensverhältnisse der betroffen Menschen in den armen Ländern zu verbessern. Wir müssen uns stärker auf die Verantwortung der Verbraucher, des Handels, auf die Verantwortung von Industrie und Investoren konzentrieren. Unser Konsum ist Teil des weltweiten Problems. Wir brauchen Aufklärung der Verbraucher und intensive Gespräche mit allen beteiligten Unternehmen: sozialverträgliche Standards unserer Unternehmen müssen weltweit übernommen werden. Arbeitnehmer ärmerer Länder sind keine Menschen zweiter Klasse! Wir genießen das Privileg, in Deutschland/Europa in Frieden zu leben und haben die gemeinsame Aufgabe und Pflicht, auch diese Menschen teilhaben zu lassen. Wir müssen die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern verbessern, den Menschen Perspektiven geben, um die Fluchtursachen zu bekämpfen. Das bedeutet Gerechtigkeit für alle. Faire Milchpreise für deutsche Bauern sind eine Seite, die andere Seite ist, den Anteil fair gehandelte Produkte auf dem deutschen Markt zu protegieren. Derzeit beträgt der Marktanteil für fair gehandelten Kaffee gerade mal drei Prozent. Ist das konsequent?

Gerechtigkeit

Mit zwölf Jahren habe ich einen Sommer Flaschen gesammelt, um mein Taschengeld aufzubessern. Heute sammeln unsere Reinigungskräfte täglich in meiner Schule die Flaschen unserer Schüler*innen. In unseren Städten sammeln Rentner*innen, Hartz IV-Empfänger*innen und sonstige Bedürftige Flaschen, um ihre angespannte finanzielle Situation etwas zu verbessern. Dabei erwirtschaften wir ein BIP von drei Billionen Euro. Das Vermögen privater Haushalte ist so groß wie nie. Laut Bundesbank beträgt es 5,4 Billionen Euro. Trotzdem schaffen wir es nicht, dass die Zahl der Tafel-Besucher sinkt. In der Bevölkerung nimmt die Angst vor Altersarmut zu. 40 Prozent der Arbeitnehmer verdienen heute weniger als vor 15 Jahren, es gibt mehr Teilzeitbeschäftigung, Minijober und andere prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Und sonst? Zwei Drittel des Privatvermögens gehört den oberen zehn Prozent! Dem kann zum Beispiel durch eine größere Steuergerechtigkeit und mehr bezahlbaren Wohnraum entgegengewirkt werden.

Die Verkäufer*innen, die ich ausbilde, können sich am Bodensee den Wohnraum kaum noch leisten. Ich trete dafür ein, dass der Mensch dort, wo er arbeitet, auch bezahlbaren Wohnraum finden muss. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass bei Wohnraummangel die Wiedervermietungsmieten nicht mehr als zehn Prozent über dem Mietspiegel liegen dürfen.

Ökologie mit Ökonomie verbinden

denn`s Biomarkt, VAUDE, SUPERNOVA und viele andere Unternehmen im Ländle zeigen eindrucksvoll, dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sein müssen, im Gegenteil. Sie schaffen Jobs mit Zukunft, erschließen neue Wachstumsmärkte. Die ZF AG in Friedrichshafen beschäftigt mittlerweile 5.300 Mitarbeiter in ihrer E-Mobilität-Sparte. Wenn wir das Ende des Verbrennungsmotors fordern, sollten wir auch mit unseren Zulieferern sprechen. Als Verwaltungsrat der Sparkasse Bodensee freue ich mich sehr, dass wir ein neues Prämiensystem für unsere Kunden installiert haben, mit dem der Kunde für Einkäufe in der Region, beim Händler um die Ecke, einen Bonus bekommt. Es profitieren beide Seiten. Die Unternehmen der Region, die neue Kunden und Umsatz generieren. Der Kunde, der eine Gutschrift vom Handel erhält. Dies stützt die heimische Wirtschaft und den lokalen Handel. Unsere Sparkassen brauchen mindestens einen GRÜNEN PUNKT im Logo. Nachhaltige Geldanlagen müssen gerade von unseren Sparkassen gefördert werden, weil immer mehr Anleger auch in nachhaltige Finanzprodukte investieren wollen.

Für mich ist Zusammenhalt in der Gesellschaft wichtig. Meine Schüler*innen wenden sich oft von der Politik ab, weil sie die Sprache, die Widersprüche und die Zwänge (Notwendigkeiten) nicht verstehen. Wenn ich mir jedoch Zeit nehme und erkläre, dann reagieren die jungen Menschen sehr sensibel und sind mit Feuereifer dabei, aus ihren Wünschen, Ideen für eine bessere Welt zu entwickeln.

Die drei wichtigen Schwerpunkte in meiner grünen Arbeit und die Energie meiner Schüler bestärken mich noch weiter zu gehen. Ich profitiere von meiner Erfahrung im Gemeinderat, im Kreisvorstand vom Bodenseekreis, im Sparkassen-Verwaltungsrat. In Zukunft will ich meine Vorstellungen und meinen Enthusiasmus auf Bundesebene umsetzen.

Danke für Eure Unterstützung und Stimme für einen aussichtsreichen Listenplatz.

 

Grüne Grüße aus Immenstaad

Markus Böhlen

 

Biografie

Persönliche Daten

  • Geburtsort: Hagen in Nordrhein-Westfalen
  • Familienstand: verheiratet mit Friederike Hess-Böhlen, Diplom Oecotrophologin
  • Kinder: ein Mädchen und zwei Jungs
Politisches Engagement
  • seit August 2014 Verwaltungsrat Sparkasse Bodensee
  • seit November 2013 Kreisvorstand Bündnis 90/Die Grünen
  • seit September 2004 Gemeinderat in Immenstaad, diverse Jahre parallel Ortsvorstand für Bündnis 90/Die Grünen
  • Dezember 2003 Gründungsmitglied OV Bündnis 90/Die Grünen Immenstaad
  • seit 2003 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen
Gesellschaftliches Engagement
  • seit 2016 Mitglied im Gemeindeteam St. Jodokus in Immenstaad
  • seit 2013 Beisitzer im Heimatverein Immenstaad
  • 2010 - 2016 Co-Trainer TUS Immenstaad, Abt. Fußball
Beruflicher Werdegang
  • seit 2010 Personalratsvorsitzender der HES
  • seit 2009 QE-Koordinator
  • 2002 - 2008 Lehrer an der HES für BWL, VWL
  • 2000 - 2002 Referendar, Hugo-Eckener-Schule, FN
  • 1999 - 2000 Geschäftsleiter Praktiker AG, Schwelm
  • 1998 - 1999  Projektkoordinator, Praktiker AG, Krefeld
  • 1997 - 1998  Revision, Praktiker AG
  • 1996 - 1997  Substitut, Praktiker AG
  • 1995 - 1996  Trainee zum Marktleiter der Bauspar Bau- und Heimwerkermärkte GmbH
  • 1995 - 1995  Kfm. Angestellter der DPS, Wuppertal
Bildungsweg
  • 1988 - 1994 Universität zu Köln, Studium der BWL, Schwerpunkte: Handel und Distribution, Marketing und Verkehrswissenschaft, Abschluss: Diplom-Kaufmann
  • 1977 - 1986 Theodor-Heuss-Gymnasium, Hagen
  • 1973 - 1977 Grundschule in Hagen
Zivildienst
  • August 1986 – März 1988 Spiel- und Lernstube Loxbaum in Hagen, „Sozialer Brennpunkt“
Hobbies
  • Politik, Reisen, Fußball, Klavier, Lesen, Tanzen und Segeln

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