BTW-2 Kerstin Andreae

Liebe Freundinnen und Freunde,

Schülergruppen in Berlin. Sie kommen oft. Das ist gut so. Ich rede gerne mit den Schülerinnen und Schülern, denn ihre Fragen drehen sich um unsere Zukunft.

Die Verantwortung des Einzelnen

Wir reden z.B. über Verantwortung. Darüber, dass die Jeans, die sie tragen und in Freiburg für 100 Euro gekauft haben, in einer Firma in Bangladesch für 3 Euro hergestellt wurde. Von einer Näherin, die dafür gerade einmal 5 Cent bekommt. Wir reden dann auch darüber, dass wir mit unserem Einkaufsverhalten Dinge steuern und verändern können. Dass unser Konsum oftmals der Treiber eines ausbeuterischen und zerstörerischen Wachstums ist. Es geht dabei um Nachhaltigkeit und Qualität. Aber funktioniert das? Kann ich als Einzelner überhaupt etwas bewegen? Ist die Macht der globalen Unternehmen nicht viel zu groß, fast übermächtig? Das scheint in der Tat so und deshalb ist es auch nicht nur die Aufgabe jedes Einzelnen, sondern der Politik insgesamt, gegen Ausbeutung und Korruption und für eine gerechte und offene Gesellschaft zu kämpfen.

Faire Regeln statt Hinterzimmergemauschel

Um das zu erreichen, brauchen wir gute und faire Rahmenbedingungen. Deutschland profitiert als Exportnation, wenn Zölle fallen und technische Standards vereinheitlicht werden. So schaffte die EU 2014 den Stecker-Wirrwarr für Elektrofahrzeuge ab. Seither gibt es nur noch ein einheitliches System. Bisher nur in Europa. Eine internationale Vereinheitlichung wäre zum Nutzen der Verbraucher-Innen und der Elektromobilindustrie. Und wenn wir unsere Handelsbeziehungen zu anderen Ländern verbessern können, also zum Nutzen aller und nicht nur weniger Großkonzerne, dann ist das eine gute Sache. Davon kann aber bei CETA und TTIP nicht die Rede sein. Hier drohen Umwelt- und Verbraucherstandards geopfert zu werden und wenn öffentliche Gerichte gegen private Schiedsgerichte ausgehebelt werden, dann ist das kein guter Deal. Wir brauchen einen fairen und transparenten Handel, der keine Verlierer zurücklässt. Deshalb sind wir Grünen auch nicht grundsätzlich gegen Freihandel, aber gegen Abkommen wie CETA und TTIP.

Impulse für mein Engagement

Ich werde von den Jugendlichen auch gefragt, was mich in die Politik gezogen hat. Was meine Beweggründe waren. Seit ich 1990 den Grünen beigetreten bin, setze ich mich für urgrüne Themen ein: Die Bewahrung der Natur, eine offene und gerechte Gesellschaft, gegen Unterdrückung und Ausbeutung und für ein selbstbestimmtes Leben. Dabei möchte ich Verantwortung für die Menschen übernehmen, die nicht auf der Sonnenseite aufgewachsen sind. Das alles sind bis heute wesentliche Impulse und Antrieb für mein politisches Engagement. Jeder Mensch, egal wo und wie er lebt, was er denkt und welche Überzeugung er hat, muss die gleichen Rechte haben. Das macht unsere Gesellschaft aus, ist aber leider nicht selbstverständlich. Seit 2002 bin ich Mitglied des Deutschen Bundestages und aktuell als stellvertretende Fraktionsvorsitzende für die Themen Wirtschaft, Finanzen und Soziales zuständig. Meine Erfahrungen der letzten Jahre möchte ich gerne auch in der nächsten Grünen Bundestagsfraktion einbringen. Das trifft auch auf die Grüne Landesgruppe Baden-Württemberg zu. Wir haben gut als Gruppe zusammengearbeitet und dabei wichtige Landesthemen, wie z.B. den umweltfreundlichen Ausbau der Rheintalbahn auf die bundespolitische Agenda setzen können. Für mich war das Teamarbeit vom Feinsten.

Wettbewerb um die besten Ideen

Aber kann ich meine Vorstellungen auch in Bereichen wie der Wirtschafts- und Finanzpolitik verwirklichen? Unbedingt! Die Frage, wie und was wir produzieren, ist eine zutiefst soziale und ökologische Frage. Und damit eine, welchen Rahmen wir als Staat setzen. Der Wettbewerb um die besten Ideen, um technische und soziale Innovationen und um Lösungen, mit denen auch unsere Kinder gut leben können, sollte uns jedes Mal aufs Neue antreiben. Wie können die Bedürfnisse der Menschen ausreichend gedeckt werden, ohne dass es in Zerstörung oder Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen mündet? Wir brauchen kluge Regeln und Grenzen, aber auch die Freiheit, diese Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Das ist für mich grüne Wirtschaftspolitik. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Bundestagsfraktion habe ich deshalb in der vergangenen Legislatur den Grünen Wohlstandsbericht entwickelt. Darin werden neben ökonomischen auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen anhand messbarer Kriterien dargestellt. Er soll helfen, die Debatte über Fehlentwicklungen und politische Handlungserfordernisse zu versachlichen und zu intensivieren. Damit wird zugleich auch ein zentrales Anliegen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ fortgeführt.

Für eine nachhaltige Gründungskultur

Junge Menschen sind kreativ und offen für Neues. Wenn ich aber nachfrage, wer sich vorstellen kann, sich selbständig zu machen, bleiben die Finger unten. Deutschland ist Entwicklungsland in Sachen Gründungen und das ist schade, weil gerade hier viel Potential steckt. Neben bürokratischen Hürden fehlt es oftmals am notwendigen Startkapital. Die Förderprogramme in Deutschland sind unübersichtlich, teilweise unbekannt und nicht ausreichend. Dabei lohnt es sich, hier die richtigen Anreize zu schaffen. Mit ihren Ideen und ihrer Schaffenskraft fordern GründerInnen etablierte Unternehmen heraus und sorgen für Innovation und eine stetige Modernisierung der Wirtschaft. Es sind gerade die Kreativen, die unsere grünen Modelle einer Energie-, Mobilitäts- und Agrarwende in die Praxis umsetzen. Wie z.B. der niederländische Smartphone Hersteller Fairphone. Er produziert mit fair gehandelten Materialien zu guten Arbeitsbedingungen und seine Geräte sind zum großen Teil recyclebar. Das ist grünes Wirtschaften, wie wir es uns wünschen. Selbstbestimmung und Eigenverantwortung sind zentrale Leitmotive für grüne Politik und wichtige Gründe für Menschen, sich selbstständig zu machen. Es gibt also viele Gemeinsamkeiten und das sollten wir auch im Wahlkampf hervorheben.

Wir sagen „Ja zu Europa“

Bricht Europa auseinander? Diese Frage stellen sich auch die Schülerinnen und Schüler in meinen Gesprächen. Dahinter steckt nämlich die Frage, welche Zukunft ein gemeinsames Europa hat. Die Eurokrise machte Risse zwischen den Mitgliedsstaaten sichtbar. Aus den Rissen sind während der Flüchtlingsdebatte Gräben geworden und das Brexit-Votum stellt die Europäische Union vor eine noch nie dagewesene Herausforderung. Anti-Europa-Populisten und Nationalisten bestimmen gerade die öffentliche Debatte. Die Sehnsucht nach dem Rückzug in das Nationale ist ein Reflex auf die Wucht der Globalisierung, die Europa gerade trifft. Ein Zurück zu den Nationalstaaten ist jedoch keine Alternative. Nur gemeinsam, mit dem gesamten Gewicht des EU-Binnenmarktes, gewinnen wir an Gestaltungskraft: Beim Kampf gegen den Klimawandel, die Bekämpfung des internationalen Terrorismus, einem solidarischen Umgang mit Flucht und Migration bis hin zur Kontrolle der globalen Finanzmärkte und dem wirksamen Datenschutz angesichts globalisierter digitaler Datenströme. Der Weg zu einem starken Europa führt nur über eine tiefere europäische Integration. Wir Grünen sind die politische Kraft, die Europa auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten und den Weg der europäischen Integration weiter beschreiten will.

Karriere oder Familie?

Eigentlich betrifft es Mädchen und Jungen gleichermaßen. Es geht um die wichtige Entscheidung: Karriere oder Familie? Leider erreiche ich mit dieser Frage fast immer nur das weibliche Geschlecht. Schade eigentlich. Ich versuche ihnen klarzumachen, dass sie sich frei entscheiden sollen, ohne Zwänge oder Nöten. Macht, wie Ihr es wollt, lasst Euch nichts ausreden und wenn Ihr beides wollt, ist das gut. Es ist Aufgabe des Staates, sich darum zu kümmern, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in der Praxis funktioniert. Kinderbetreuung ist eine Zukunftsinvestition und hat die volle Unterstützung unseres Staates und der Gesellschaft verdient. Und es ist der erste wichtige Baustein für mehr Chancengerechtigkeit – unabhängig vom Geldbeutel und der Herkunft der Eltern. Mit unserer „Grünen Zeitpolitik“ haben wir die öffentliche Debatte über mehr Zeitsouveränität neu angestoßen. In vielen Fachgesprächen und Veranstaltungen haben wir mit Verbänden, Gewerkschaften und der Wissenschaft über die passenden Instrumente gesprochen. Wir wollen zum Beispiel einen Vollzeit-Arbeitszeitkorridor im Bereich von 30 bis 40 Stunden schaffen. Innerhalb dieses Korridors sollen Beschäftigte – unter Einhaltung von Ankündigungsfristen – bedarfsgerecht ihren Arbeitszeitumfang selbst bestimmen können. Beschäftigte sollen außerdem die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitszeit und die Nutzung von Home-Office mitzugestalten. Dadurch entstehen ganz neue Möglichkeiten, Arbeit, Familie und Freizeit besser miteinander zu verbinden. Wir werden in den kommenden vier Jahren unsere Idee ausbauen und umsetzen.

Mit voller Kraft in den Wahlkampf

Während Union und SPD seit Jahren eine Politik gegen die jüngere Generation betreiben, sind es wir Grünen, die das Ohr am Puls der Zeit haben. Lasst uns selbstbewusst und überzeugend in den Bundestagswahlkampf 2017 ziehen. Wir haben in zehn Bundesländern bereits unsere Regierungsfähigkeit in unterschiedlichsten Konstellationen bewiesen. Wir sind ein starker Grüner Landesverband mit einer erfolgreichen grüngeführten Landesregierung. Wir sind bereit und in der Lage, auch im Bund Regierungsverantwortung zu übernehmen. Grüne Erfolge sind aber kein Selbstläufer, sie müssen immer wieder aufs Neue erkämpft werden. Mit überzeugenden Ideen, Konzepten und engagierten Kandidatinnen und Kandidaten.

Ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen und an der Spitze einer starken Landesliste in den Wahlkampf ziehen. Lasst uns gemeinsam für ein großartiges grünes Ergebnis kämpfen. Deshalb kandidiere ich für den Platz 1 und bitte um Eure Unterstützung.

Herzlichen Dank

Eure Kerstin

 

 

Biografie

Persönliches

  • Geboren bin ich 1968 in Schramberg im Schwarzwald
  • Ich habe an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Volkswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften studiert.
  • Verheiratet bin ich mit Volker Ratzmann. Wir haben zwei Söhne (Mauritz und Paul) und eine Tochter (Emma).
Politisches
  • 1991 - 1993 Landesvorstand der Grün-Alternativen Jugend Baden-Württemberg
  • 1992 - 1999 Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Freiburg
  • 1999 Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg
  • 1999 - 2002 Gemeinderätin in Freiburg
  • seit 2002 Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Freiburg
  • seit 2012 Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Politische Koordinatorin des Arbeitskreises Wirtschaft, Finanzen & Soziales
Ehrenämter
  • Mitglied im Verwaltungsrat der KfW Bankengruppe
  • Mitglied in der EKD-Kammer für soziale Ordnung
  • Kuratoriumsmitglied der Aids-Hilfe Freiburg e.V.
  • Mitglied im Trinationalen Atomschutzverband TRAS
  • Schirmherrin der Unicef Gruppe Freiburg
  • Schirmherrin von queerfox - schwul-lesbischer Fanclub des SC Freiburg
Kontakt

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