BTW-32 Katrin Lechler

Liebe Freundinnen und Freunde,

als ich 2007 bei Bündnis 90/ Die Grünen eingetreten bin, waren meine politischen Interessen ziemlich überschaubar. Ich wollte mich auf diese Weise neben dem Weltfrieden aktiv für die Bewahrung von Umwelt, Natur und Klima einsetzen. Politisch ging das nur mit den Grünen. Bis heute geht das nur mit den Grünen, auch wenn das Thema jetzt irgendwie „alle“ machen. Sie machen es halt nur irgendwie. Bei uns ist es Teil unserer Weltanschauung. Die anderen Überzeugungen für die die Grünen standen und stehen, fand ich ok genug für einen Parteieintritt. Aber Themenfelder wie Demokratie und Gesellschaft liefen bei mir unter „ferner“.

Das hat sich schnell geändert! Das ging gar nicht anders, wenn man länger in einer Stadt wie Pforzheim lebt und mit offenen Augen durch die Welt geht. Mein Wahlkreis (zu dem auch der Enzkreis als urbaner, ländlicher Raum mit seinen eigenen Problemen zählt) gehört auch nach dem für unsere Verhältnisse sehr guten Landtagswahlergebnis zu den ganz hellgrünen Flecken im Ländle. Lange war er dunkelschwarz (es war der Wahlkreis von Mappus) und nun ist er richtig übel blau (das Direktmandat für den Landtag hat die AfD geholt). Sattes Grasgrün wäre die richtige Farbe! Für meinen Wahlkreis, vor allem das gebeutelte strukturschwache Pforzheim, wäre es so wichtig, wieder eine Grüne Abgeordnete zu haben, damit Probleme wie unsere – hohe Arbeitslosigkeit, hoher Migrationsanteil, hohe Verschuldung – mal ins öffentliche Bewusstsein rücken. Und etwas dagegen getan wird. Nicht alle Baden-Württembergischen Städte sind wie Tübingen oder Freiburg. Aber der Ertrag des amtierenden CDU-Abgeordneten für seinen Wahlkreis erschöpft sich leider im Wesentlichen darin, dass endlich eine Straße gebaut wird, die sich vor 30 Jahren mal jemand ausgedacht hat. (Immerhin nur eine Straße;
anderswo werden eine Generation nach einer Idee ganze überflüssige Bahnhöfe gebaut…)

Es geht aber um ganz anderes: Wir brauchen dauerhaft eine solide Finanzierung der Kommunen, damit sie ihre Aufgaben erfüllen und den Investitionsstau beseitigen können; damit Schulen und Straßen nicht bröckeln und damit Kinder in Schwimmbädern schwimmen lernen können und nicht im Sommer im Baggersee ertrinken. Und mehr noch als um Steine geht es um Menschen: Es braucht Geld für Kultur, Sport, Familienzentren u.v.m., weil es Plätze braucht, wo sich Menschen begegnen können. Denn nur wenn man sich kennt, wird aus einem Neben- oder gar Gegeneinander eine Gemeinschaft.

Denn hier liegt unser wirkliches Problem, nicht nur in Pforzheim: Die Gesellschaft bewegt sich immer weiter auseinander. Die „Mitte“ ist doch so groß gar nicht. Da hängt’s an den Rändern gewaltig über. Mir ist die Wohlstandsschere in unserem Land viel zu groß, die kann ich nicht mit meinem Sinn für Gerechtigkeit vereinen. Und die Armut, vor allem von Kindern in diesem reichen Land, ist nicht einfach nur ein Skandal, sondern auch brandgefährlich für die Akzeptanz der Demokratie; wenn diese nämlich als etwas wahrgenommen wird, das ganze Bevölkerungsschichten einfach ausblendet. Der Begriff „Teilhabe“ ist überstrapaziert, aber nicht gelebt.
Pforzheim z.B. hat die größte Millionärsdichte Deutschlands, spüren tut man das vor Ort leider nicht. Ein Schelm wer denkt, dass so etwas nicht mit ein paar steuerlichen Stellschrauben zu ändern sei! Mir geht es, nicht nur vor Ort sondern grundsätzlich, nicht darum, einem etwas nehmen zu wollen, mir geht es darum, einem anderen etwas geben zu können. Denn wir wissen doch alle, dass ein kleiner Teil der Welt nicht in Wohlstand leben kann, während der Rest in Armut und Kriegen versinkt. Also, handeln wir entsprechend! Es geht hier schlicht um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In der eigenen Gemeinde, im Land, in der Welt.

Der ist natürlich nicht nur mit Geld herzustellen. Wir haben es – in Pforzheim und der Region, in Baden-Württemberg, Deutschland und Europa – mit einem erschreckenden Rechtsruck zu tun. Mit ständigen Angriffen auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und auf unsere offene Gesellschaft, die die Vielfalt von Lebensformen achtet – und auf Menschen. Auf Flüchtlinge ebenso wie auf Menschen die von rechts als Volksverräter beschimpft werden. Das sind aber tatsächlich diejenigen, die die Verfassung und damit das Volk schützen. Während ich diese Bewerbung schreibe, höre ich im Radio, dass in Bayern ein Polizeibeamter seinen, durch einen rechtsextremen sogenannten Reichsbürger zugefügten Schussverletzungen erlegen ist. Das macht mich sehr betroffen. Aber auch sehr wütend: Ich will mir meine Heimat nicht kaputt machen lassen von Menschen, die nicht wissen was Menschlichkeit ist. Es darf nicht so weitergehen, dass Positionen des einstmals rechten Rands Teil des normalen politischen Diskurses werden. Nationalismus, Rassismus, blinder Hass und Menschenfeindlichkeit haben in einer modernen Gesellschaft nichts zu suchen, sie bedrohen sie in ihrer Existenz. Ich
jedenfalls verteidige unsere Demokratie und Freiheit notfalls mit Zähnen und Klauen!

(N.B.: Dazu gehört es übrigens auch, sich gegen Vorratsdatenspeicherung und Handels- und Dienstleistungsabkommen einzusetzen, wie sie mit CETA, TTIP und TiSA und Dutzenden weiteren zur Zeit verhandelt werden. Gesetze dürfen allein von gewählten Parlamentariern gemacht werden, nicht von den Unternehmen, die davon möglicherweise betroffen sind. Und öffentliche Daseinsvorsorge muss öffentlich bleiben.)

Im 21. Jahrhundert können wir Probleme nicht mit Rezepten aus dem 19. Jahrhundert lösen. Abgeschottete Nationalstaaten waren noch nie lange lebensfähig. Menschen neigen nämlich zur Bewegung. Deshalb braucht es ein offenes Europa. Damit Studierende und Arbeitnehmer*innen auch künftig über ihren Tellerrand gucken können. Und damit Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte einen sicheren Hafen zum Anlegen haben, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn: für Humanität gibt es keine Obergrenze!

Umfragen und Soziologen zufolge haben wir es derzeit mit einer ebenso saturierten wie verunsicherten bis verängstigten Gesellschaft zu tun. Die Welt ist halt ein bisschen komplexer als ein Tweet oder Facebook-Post es vermitteln können. Das macht das Leben ein bisschen anstrengend. Hier müssen positive Bilder gesetzt werden, den Ängsten und vor allem dem Hass entgegen. Dafür dürfen nicht populistische Stimmungen bedient werden, sondern muss Gesellschaft aktiv gestaltet werden. Für Demokratie und Vielfalt geworben werden. Und das möchte ich mit Eurer Unterstützung tun.

Ein Baustein dabei: Kunst und Kultur. Ein Film oder Theaterstück zeigt uns wie man menschliche Konflikte lösen kann. Das Singen im Chor fördert unseren Gemeinschaftssinn. Eine Skulptur macht einen öffentlichen Platz zu einem Treffpunkt für die Anwohner*innen. Kunst und Kultur sind also gesellschaftlicher Kitt par excellence. Nebenbei schafft Kulturförderung ein produktives Klima, das unsere Städte und Gemeinden lebenswert macht – und damit zum attraktiven Standort.
Mit dem Thema Kultur bin ich offensiv durch den Landtagswahlkampf gezogen und habe sehr großen Zuspruch dafür bekommen. Darauf möchte ich jetzt gerne aufbauen. Ganz viele Künstler*innen aller Couleur sind in Herz und Hirn Grün. Sie will ich mitnehmen, um Demokratie und offene Gesellschaft zu gestalten. Dafür sollen sie dann auch etwas zurückbekommen, wie z.B. sicherere Einkommens- und Lebensverhältnisse.

„Der Staat“ sind wir alle. Also sollten wir ihn auch alle mitgestalten.

Das ist mein Leitsatz. Unsere Gesellschaft ist plural, auch im Grünen Baden-Württemberg, die Grüne Partei ist es auch – auch in Baden-Württemberg. Der Bundestag soll ein Abbild der Vielfalt unserer Gesellschaft sein, auch seiner Meinungsvielfalt (so lange die von der FDGO gedeckt ist). Dort muss sich also auch eine Problemstadt aus dem sonstigen Musterländle wiederfinden und jemand der sich für gerechte Lebensverhältnisse einsetzt. Mein Wahlkreis ist für Außenstehende anscheinend so unattraktiv, dass wir keine*n Kandidat*in gefunden haben. Schließlich hab ich gesagt, ich mach’s. Aber ich will jetzt nicht einfach nur olympisch an der Bundestagswahl teilnehmen. Pforzheim und der Enzkreis und Demokratie, Kultur und eine offene, gerechte Gesellschaft brauchen eine Grüne Abgeordnete und deshalb braucht’s eine Kandidatin, die den Rückhalt der Landespartei hat. Darum bitte ich Euch um Eure Stimme für einen vielversprechenden Listenplatz.

Vielen Dank!

Herzliche Grüne Grüße,
Eure Katrin

Biografie

  • 43 Jahre alt, geboren in Schleswig-Holstein, aufgewachsen in Köln, Studium in Dortmund. Unterbrochen von einem knapp halbjährigen beruflichen Aufenthalt in Stockholm seit mittlerweile elf Jahren Pforzheimerin.
  • Studierte Opernsängerin, seit sieben Jahren im Künstlerischen Betriebsbüro und Orchesterbüro des Stadttheaters Pforzheim tätig.
  • Persönliche Interessen: Kunst und Kultur im weitesten Sinne, Geschichte und Sprachen. Wandern, lesen, kochen und (Balkon-)gärtnern.
 
  • Seit 2007 Mitglied von Bündnis 90/ Die Grünen.
  • 2008-2010 Beisitzerin im Kreisvorstand, seit 2012 geschäftsführendes Vorstandsmitglied.
  • 2010-2012 Sprecherin der LAG Demokratie und Recht.
  • Mitglied der LAG Kultur, Delegierte für die BAG Kultur, seit 2014 eine der stellvertretenden Sprecher*innen der BAG Kultur.
  • 2016 Landtagskandidatin für den Wahlkreis Pforzheim; Direktmandat um 59 Stimmen verfehlt.
 
  • Sprecherin der Initiative gegen Rechts Pforzheim.
  • Mitglied der Greenpeace-Gruppe Pforzheim. Im Sommer 2016 Ehrenamtliche auf der Beluga II.
  • Lesepatin.
  • Mitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft.
  • Mitglied der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger.
 
  • Grünes Leben: 95% meiner Lebensmitteleinkäufe sind „bio“; grundsätzlich saisonal und regional, oft fair. Körperpflege und Kosmetik sind zu 100% „bio“. Kleiderkäufe werden gerade peu à peu bio und fair. Mein Strom ist grün und mein Bankkonto auch. Ich habe nie den Führerschein gemacht.

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